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Dialog

Der Groschen ist gefallen ....Pfennigweise (trotz Euros)

Gerade hab ich ein Tagebuch gelesen und auf einmal war sie da, die Erleuchtung.
Wie viele Bücher, Gedichte oder Zitate habe ich schon gelesen? Wie oft überlege ich, wo, was, geschrieben stand, dass mich doch so fasziniert, erschüttert oder amüsiert hat. Also kam mir der Gedanke, es hier aufzuschreiben.
Nun....., mal seh'n, was daraus wird. 5. 11. 05

Der 1. Eintrag dieses Tagebuches wurde am 06. 11. 2005 vorgenommen

Inhaltsverzeichnis



Verfasst am 06.03.2006 20:01:33 Uhr
Neuentdeckung!

Ich habe heute, einen Dichter entdeckt, der mir sehr gefällt
und von dem ich gleich mal zwei Gedichte, hier verewigen muss.
Es ist eine echte Wissenslücke, noch nie etwas von
„Erich Fried“
gehört zu haben. Man kann eben nicht alle kennen.
Ich liebe es, neues zu entdecken und zu lernen!
.....................Der Tag ist gerettet!.....................

Wo lernen wir?

Wo lernen wir leben
und wo lernen wir lernen
und wo vergessen
um nicht nur Erlerntes zu leben ?

Wo lernen wir klug genug sein
die Fragen zu meiden
die unsere Liebe nicht einträchtig machen
und wo
lernen wir ehrlich genug zu sein
und unserer Liebe zuliebe
die Fragen nicht zu meiden ?

Wo lernen wir
uns gegen die Wirklichkeit wehren
die uns um unsere Freiheit
betrügen will
und wo lernen wir träumen
und wach sein für unser
e Träume
damit etwas von ihnen
unsere Wirklichkeit wird ?

Erich Fried


Fügungen

Es heißt
ein Dichter
ist einer
der Worte
zusammenfügt

Das stimmt nicht

Ein Dichter
ist einer
den Worte
noch halbwegs
zusammenfügen

wenn er Glück hat

Wenn er Unglück hat
reißen die Worte
ihn auseinander

Erich Fried


N A C H T R A G

Titel: Ich kann nicht aufhören
Erstellt am: 06.03.2006 20:56:36 Uhr

Es ist einfach nicht zu fassen
Ich kann nicht aufhören, zu lesen. Hausarbeit bleibt mal wieder liegen, chatten fällt heut aus und meine Katze leidet unter Streicheleinheitenenzug.
Mal schauen, wieviele Gedichte noch kommen. Und alle von diesem
Erich Fried

Aber die Lauen

Die da eintreten
für Kriege
ohne Greuel
für Hinrichtungen
ohne Grausamkeiten
für Verurteilungen
ohne Hinrichtung
für Strafvollzug
ohne Schläge
für Verhöre
ohne Folter
für Folter
ohne bleibende Schädigungen
für Ausbeutung
ohne zumutbare Härten
sollen gesegnet sein
ohne Segen
oder sollen verflucht sein
ohne Fluch


Gedichte lesen

Wer
von einem Gedicht
seine Rettung erwartet
der sollte lieber
lernen
Gedichte zu lesen

Wer
von einem Gedicht
keine Rettung erwartet
der sollte lieber
lernen
Gedichte zu lesen


Am Beispiel eines Zweiflers

Der Teufel
glaubt sich
nur selten
dass es ihn
wirklich
gibt

Das macht ihn traurig
und hilflos
dann tröstet ihn nichts
als fleißigere Arbeit
und manchmal
sein Lachen

über seinen Bruder
den Herrgott
der scheinbar
noch bei Tag
und Nacht
an sich glaubt


Links rechts links rechts

Wenn ein Linker denkt
dass ein Linker
bloß weil er links ist
besser ist als ein Rechter
dann ist er so selbstgerecht
dass er schon wieder rechts ist
Wenn ein Rechter denkt
dass ein Rechter
bloß weil er rechts ist
besser ist als ein Linker
dann ist er so selbstgerecht
dass er schon rechtsradikal ist

Und weil ich
gegen die Rechten
und Rechtsradikalen bin
bin ich gegen
Linke
die denken
dass sie besser sind
als die Rechten
Und weil ich gegen sie bin
denke ich manchmal
ich habe ein Recht zu denken
dass ich doch besser als sie bin


Aus dem Leben
bin ich
in die Gedichte gegangen

Aus den Gedichten
bin ich
ins Leben gegangen

Welcher Weg
wird am Ende
besser gewesen sein?


Lebenslauf

Ich war kein Stein keine Wolke
keine Glocke und keine Laute
geschlagen von einem Engel oder von einem Teufel
Ich war von Anfang an nichts als ein Mensch
und ich will auch nicht etwas anderes sein
Als Mensch bin ich aufgewachsen
und habe Unrecht erlitten
und manchmal Unrecht getan
und manchmal Gutes
Als Mensch empöre ich mich
gegen Unrecht und freue mich
über jeden Schimmer von Hoffnung
Als Mensch bin ich wach und müde
und arbeite und habe Sorgen
und Hunger nach Verstehen
und nach Verstandenwerden
Als Mensch habe ich Freude an meinen Freunden
und habe Freude an Frau und Kindern und Enkeln
und habe Angst um sie und Sehnsucht nach Sicherheit
und will mit Menschen sein und manchmal allein sein
und bedauere jede Nacht ohne Liebe
Als Mensch bin ich krank und alt
und werde sterben
und werde kein Stein sein
keine Wolke und keine Glocke
sondern Erde oder Asche
und darauf kommt es nicht an. «
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